Gesellschaft der Angst by Heinz Bude

By Heinz Bude

Angst kennzeichnet eine Zeit, in der in Europa Populisten von rechts im Anmarsch sind, in der sich unter ganz normalen Leuten Erschöpfungsdepressionen ausbreiten und in der der Kapitalismus von allen als Krisenzusammenhang erlebt wird. Angst ist der Ausdruck für einen Gesellschaftszustand mit schwankendem Boden. Die Mehrheitsklasse fühlt sich in ihrem sozialen prestige bedroht und im Blick auf ihre Zukunft gefährdet. guy ist von dem Empfinden beherrscht, in eine Welt geworfen zu sein, die einem nicht mehr gehört.
Am Leitfaden des Erfahrungsbegriffs der Angst erfasst Heinz Bude eine Gesellschaft der verstörenden Ungewissheit, der heruntergeschluckten Wut und der stillen Verbitterung. Das betrifft die Intimbeziehung genauso wie die Arbeitswelt, das Verhältnis zu den politischen Angeboten ebenso wie die Haltung zur Finanzdienstleistung. Es handelt sich weniger um die Angst vor einem "großen Anderen", es ist die Angst vor den eigenen, schier unendlich wirkenden Möglichkeiten, zu denen wir uns verleiten lassen. Das Angstbild, das sich nach den Funktions- und Legitimationskrisen des Kapitalismus wie des Internets ausbreitet, ist das Bild von selbstregulativen Systemen, die auf den Reaktionen und Entscheidungen der beteiligten Individuen beruhen.
Welchen gesellschaftlichen Entwicklungen sehen sich die Menschen ausgeliefert, wo fühlen sie sich verlassen, bevormundet oder übergangen? Wie kann unser Ich der Angst standhalten und in welchen Ritualen und Diskursen kann es sich mit anderen über die gemeinsamen Ängste verständigen?

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Cook haben in der Mitite der manischen Neunzigerjahre des letzten Jahrhunderts ein Buch mit dem, ein Stück von Abba zitierenden, Titel »The Winner-Take-All-Society« veröffentlicht. r zur Zeit einer unglaublichen Wiederbelebung der kapitalistischen Utopie, als sich durch das Netz, auf dem Gebiet der Biotechnologie oder mit der Durchsetzung des globalen F inanzmarktes eine regelrechte Revolutionierung der Chancen im siegreichen Kapitalismus andeutete. Wer schnell, gewitzt und mutig war, konnte sich aus dem Nichts auf einem Platz in der ersten Reihe katapultieren.

Beide vereint die Bereitschaft zur Selbstmobilisierung und zum sozialen Wandel, aber auch die hoffnungslose Sehnsucht, jemand anderes zu sein, der einfach nur so ist, wie er ist, und in dem, was er geschafft hat, seine Erfüllung findet. Sie sehen sich mit dem Verlust der Verhaltensheimat ihrer Herkunft auf ein Selbst ohne Füllung zurückgeworfen und suchen deshalb nach +einem Rahmen für ihr Leben. dem eigenen Typ. D ie so viel beschworenen Tendenzen zur Individualisierung des Selbstverständnisses und zur Pluralisierung der Sozialmilieus haben hierin ihren Grund.

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